WAS IST WING TSUN

Wing Tsun oder auch Wing Chun ist einer der effektivsten Kung Fu Stilrichtungen die je entwickelt wurden. Durch den intelligenten und natürlichen Aufbau dieser Kampfkunst, stellt WT die effizienteste Form der Selbstverteidigung dar.


WT-ler benötigen weder übermäßig eigene Körperkraft, noch artistisches Geschick, deshalb ist Wing Tsun für Jederfrau/mann erlernbar, unabhängig von der körperlichen Konstitution. Wing Tsun möchte "normale" Menschen in die Lage versetzen, brenzlige Situationen unkompliziert, selbstbewusst und nachhaltig zu klären.

Neuere Geschichte:

Die meisten heute in Deutschland bekannten Varianten des Wing Chun gehen auf den Kampfkünstler Yip Man (1893-1972) zurück. Er hatte im Laufe seines Lebens in Hong Kong zahlreiche Schüler. Als Yip Man im Alter von 77 Jahren starb, ohne einen Nachfolger zu benennen, begann ein Streit um seine Nachfolge.

Yip Man soll Wing Chun nicht von einem einzigen Meister, sondern von zweien erlernt haben. Der eine Lehrer soll ein Geldwechsler (Chan Wah Shun) gewesen sein, der andere war Leung Bik, Sohn des legendären Leung Jan, eines bekannten Kräuterarztes und Apothekers aus Foshan in der Provinz Guangdong. Diese Geschichte ist allerdings umstritten. Leung Bik ist selbst den Schülern von Yip Man nicht bekannt. Die Figur wurde vermutlich von einem Reporter in Hong Kong erfunden.

Charakteristika:

Der größte Unterschied zu anderen Kampfstilen liegt darin das weniger Methoden gelehrt werden, sondern ein System basierend auf Prinzipien. Dadurch wird das souveräne Können vermittelt, jederzeit die Handlungsunfähigkeit des Angreifers bewirken zu können.

Die Bewegungen/Techniken werden außerdem auf ihre Wirkung hin maximiert. Die Bewegungen sind meist kurz und gerade (i.S. entlang einer Geraden) oder angedeutet spiralförmig. Der Einsatz von Kraft ist anders als in vielen anderen Kampfkunststilen. Es wird in der Regel keine starre Muskelkraft sondern durch eine Mischung aus Gewichtsverlagerung (Schritttechniken) und spontaner schneller Streckbewegung (so genannter Peitschenkraft) mit einem relativ kleinen Anteil eigener Muskelkraft die Elastizität des eigenen Bewegungsapparates ausgenutzt. Ein typisches Element des Wing Tsun Stils ist der Kettenfauststoß, von denen ein geübter Wing Tsun Kämpfer ca. 9-13 Schläge pro Sekunde ausführt.

 

Die Kraft des Gegners wird durch die Anwendung von Winkel- und Drehprinzipien neutralisiert und gegen ihn verwendet (Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr), d.h. während ein Schlag abgewehrt wird, erfolgt ein Angriff zur selben Zeit. Es gilt: Der Angriff ist die Verteidigung. Ein Schlag des Gegners wird so z.B. durch einen konternden Gegenschlag abgewehrt.

 

WT umfasst sehr wenige Grundtritte mit der im Allgemeinen nur niedrige Ziele (bis Hüfthöhe) angegriffen werden. Ein Ziel dieser Tritte ist insbesondere das Kniegelenk und der Oberschenkelansatz des Gegners.

 

Anders als bei Kampfsportarten mit genau definierten Regeln wie zum Beispiel Judo oder Taekwondo gibt es bei Wing Tsun keine Wettkämpfe mit Punktesystem. Da in den höheren Graden Techniken erlernt werden, mit denen man einen Gegner in kürzester Zeit effektiv außer Gefecht setzen kann, würden solche Wettkämpfe schwerwiegende Verletzungen hervorrufen.

 

Aufgrund der hier kurz erläuterten allgemeinen Charakteristik, gilt Wing Tsun bisweilen als der Stil der Meister fortgeschrittenen Alters: Diese konnten sich auf diese Weise gegen die jungen, kräftigen und biegsamen Meister behaupten und sich somit den Respekt verschaffen, den manch junger Kämpfer vermissen ließ.